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ADFC und Elektrofahrrad

Ein Diskussionsbeitrag von Werner Meier auf der Website des ADFC Saarland v. 28.2.2009

Warum haben wir uns bisher nicht mit E-Bikes befasst? Genauso gut könnte man fragen, warum nicht Mofas unser Hauptinteresse gilt. Denn letztlich ist auch ein E-Bike nichts anderes als ein Fahrrad mit Hilfsmotor – einem elektrischen halt. Dies erlaubt vielleicht auf einfache Weise eine clevere Leistungsregelung, hat aber auch eine ganze Menge Nachteile.
Wie bei einem Mofa auch muß die Energie gespeichert mitgeführt werden – diesmal nicht in Form von Benzin, sondern als elektrische Ladung in einem Akku. Dessen Hauptnachteil ist die eingeschränkte Reichweite: 80 km dürften nur bei kräftigem Treteinsatz unter günstigen Umständen erreichbar sein – und selbst dann ist es noch eine arg optimistische Angabe. Die Energie, die gespeichert werden soll, muß auch erst einmal gewonnen werden – in der Regel aus fossilen Brennstoffen, zu einem größeren Teil handelt es sich immer noch um Atomstrom, zum kleinsten Teil stammt der Strom aus regenerativen Quellen. Vom Primärenergieeinsatz dürfte sich ein E-Bike nicht wirklich besser als die Benzinvariante stellen, berücksichtigt man die deutlichen Verteilungsverluste im Stromnetz von mehr als 50%. Daß obendrein der Akku nur einen begrenzten Wirkungsgrad aufweist, max. 1000 Ladezyklen durchhält und anschliessend als Sondermüll entsorgt werden muss, sollte nicht vergessen werden.
In Anbetracht dieser nicht berauschenden Umweltbilanz: welche Vorteile bietet ein E-Bike gegenüber einem klassischen Fahrrad? Einen einzigen, die Unterstützung beim Treten. Ein Wetterschutz fehlt bei beiden, das höhere Gewicht des E-Bikes erschwert das Handling, was man spätestens an den ersten Stufen merkt, über die das E-Bike gehoben werden muß.
Die Kosten des E-Bikes sind nicht unerheblich, sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb – hier sollte neben den Kosten für den Strom auch die Kosten für den regelmäßigen Wechsel des Verschleißteils Akku berücksichtigt werden.
Wenn man sich nun vor Augen hält, daß man für das Geld, das ein E-Bike kostet, auch ein hochwertiges, leichtes Fahrrad mit guter Gangschaltung bekommen kann, wird klar, daß für E-Bikes allen Marketinganstrengungen der Industrie zum Trotz nur ein kleine Marktnische übrig bleibt. Nur Käufer, für die das leichtere Treten einen überragenden Stellenwert hat, werden damit glücklich werden. Ob das reicht, überzeugte Autofahrer zur Benutzung eines E-Bikes zu bewegen, darf bezweifelt werden.


Ein überzeugter "Pedelecian" antwortet (15.10.2012):
1. Es wird nicht zwischen E-Bike und Pedelec unterschieden. Während das erstere tatsächlich einen Hilfsmotor und zwar einen elektrischen enthält, nur mit Zulassung, nur mit Helm und nicht auf ausgewiesenen Radwegen gefahren werden darf, ist das Pedelec ein echtes Fahrrad mit Tret-Unterstützung. Es fährt unterstützt nicht schneller als 25 km/h, während das E-Bike bis 45 km/h aufbringen kann. Es stimmt, Pedelecs sind schwerer als konventionelle Fahrräder. Doch mit den Transporthilfen moderner Bahnhöfe und der Bodengleichheit der Bahnen sind das eher kleinere Probleme.
2. Die Reichweite moderner Akkus liegt bei max. 180 km, was aber "ökonomisches" Fahren auf niedriger Stufe voraussetzt. Hektisches oder "kräftiges" Treten reduziert die Fahrleistung!
3. Natürlich stammt die Energie heute noch meist aus fossilen Trägern, was aber bei einer möglichen Einsparung einer oder mehrerer Autofahrten viel weniger ins Gewicht fällt.
4. Die Tretunterstützung ist keine vernachlässigbare Größe beim Radfahren, besonders für Ältere. In bergigen Gegenden, wie im Saarland, ist die Fahrradnutzung signifikant auf Wochenenden und entlang der Saar beschränkt, doch kann man mit einem Pedelec diese Anstiege viele leichter bewältigen, sodaß hier nicht nur der ältere Radfahrer viel leichter wieder zum Fahrrad greift als ohne diese Unterstützung. Es darf auch nicht vergessen werden, dass Tretunterstützung auch bedeutet, dass man einen nicht geringen, eigenen Beitrag zur Fortbewegung leisten muss, der niedrig, aber auch hoich sein kann. Wenn man die Unterstützung ausschaltet oder wenn man am Berg kräftig mittritt. Sogar der Trainingseffekt, den man beim Radfahren als herzkreislaufwirksam herausstellt, ist daher in gleicher Höhe vorhanden. Auch Pedelecfahren ist gesund!
5. Im letzten Jahr sind fast 400.000 Pedelecs gekauft worden, und man strebt in der Branche die Millionengrenze an. Ist das eine Marktnische?
Ich fahre als Älterer nun seit einem Dreivierteljahr eine solches Fahrrad und bin sehr froh, diese Entscheidung gefällt zu haben. Das einzige Gegen-Argument der obigen Einlassung, das ich auch vertrete, ist das des Preises. Pedelecs sind noch immer zu teuer, doch im Vergleich zu einem (noch) teureren Luxus-Rad haben sie schon jetzt ihre unbestreitbaren Vorteile.

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